JAHRESBERICHT DER KONTAKTSTELLE HOLLER E.V.
FÜR DAS JAHR 2018

Allgemeines

Die Kontaktstelle Holler besteht seit 1983. Sie befindet sich in der Berliner Straße im Kuseler Stadtteil Holler. Das Wohngebiet ist gekennzeichnet durch viele Familien mit Migrationshintergrund und deutschen Familien aus riskant, belasteten Situationen. Wir sind ein multikultureller Stadtteil. Viele der Kinder, die uns besuchen, kommen direkt aus dem Stadtteil oder aus umliegenden Orten (Erdesbach, Matzenbach, Altenglan, Mühlbach, Schellweiler, Hüffler, Gimsbach, Rutsweiler). Es werden ein Sozialarbeiter und eine Erzieherin mit 38,5 Stunden pro Woche sowie Bärbel Weißmann im Bereich Kita!Plus beschäftigt. Hinzu kommt Mariella Theobald (Freiwilliges Soziales Jahr), welche seit Mitte 2018 bei uns ist. Unsere Angebote richten sich weiterhin an schulpflichtige Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene aus dem Wohngebiet und der näheren Umgebung Kusels.

Unsere Arbeit

Hausaufgabenbetreuung

Hauptbestandteil unserer Arbeit ist die tägliche, kostenlose Hausaufgabenbetreuung von 12:30 bis 15:00 Uhr (nach Bedarf auch länger).

Den Kindern und Jugendlichen soll Raum und Zeit zum Lernen gegeben werden um vorhandenes Wissen zu vertiefen. Dabei soll ihnen Hilfestellung geleistet, aber auch die Möglichkeit zur Eigeninitiative eröffnet werden. Oberstes Ziel hier ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Kinder sollen lernen, wie sie ihre Hausaufgaben alleine meistern können. Natürlich wird bei Fragen Hilfestellung von den Betreuern geleistet. Dennoch werden die Kinder dazu ermutigt, selbst Lösungen zu finden. Es besteht ein guter und enger Kontakt zu Lehrern und Schulsozialarbeitern der umliegenden Schulen. Der größte Teil der Kinder benötigt intensive Hilfe und Förderung, die wir durch diesen engen Kontakt besser umsetzen können.

Freizeitangebote

  • Angebot von sinnvollen Freizeitaktivitäten (sportliche, handwerkliche, musische, kreative und kommunikative Angebote)
  • Fester Bestandteil dieser Angebote sind die Fußball-AG (Montags um 15.00 Uhr auf dem Windhof) und das Kochen (Freitags um 15.00 Uhr)
  • Freizeitangebote mit anderen Einrichtungen und Institutionen sind uns sehr wichtig
  • Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend Kusel und dem Mehrgenerationenhaus findet ständig statt

Ferienprogramm

  • Findet jeweils in den ersten drei Wochen der Sommerferien und der ersten Woche der Herbst- und Osterferien statt
  • Ausgewogene Mischung zwischen Angeboten außerhalb und innerhalb der Kontaktstelle. Wir versuchen immer ein gesundes Mittelmaß zwischen Erlebnis und finanziell machbar zu finden

Gemeinwesenarbeit, Elternarbeit und sonstige Veranstaltungen

  • Unterstützung der Anwohner in den unterschiedlichsten Lebenslagen
  • Neben dem Straßenfest und dem Fußballturnier fanden 2018 viele verschiedene Aktionen statt (im Anhang)
  • Als multikulturelle Einrichtung versuchen wir verstärkt Integrationsarbeit zu leisten und auch Angebote in diesem Bereich zu machen (dazu gehört auch ein antirassistisches Selbstverständnis)
  • Gemeinsam mit dem Patenkreis Asyl wird seit zwei Jahren der Kleiderladen in der Schwebelstraße in Kusel betrieben. Gespendete Kleidung, Wäsche, Schuhe, Haushaltsartikel, Spielsachen etc. werden an Flüchtlinge und deutsche Familien, die Leistungen durch das Job-Center erhalten, abgegeben. Der Laden ist montags von 10.00 Uhr-12.00 Uhr und mittwochs von 15.00–17.00 Uhr geöffnet. 8 Ehrenamtliche arbeiten mit. Von Oktober 2015 bis Dezember 2018 besuchten 373 Familien bzw. Einzelpersonen den Laden, darunter 354 Kinder. Die meisten Menschen kommen aus Syrien, Eritrea und Deutschland.

Situationsbericht

Jan (Name wurde geändert) ist 11 Jahre alt und wohnt zusammen mit seiner Mama, den beiden älteren Schwestern und einem älteren Bruder, im Wohngebiet Holler.

Jan geht in die 6. Klasse der Jakob-Muth-Schule in Kusel. Er besucht unsere Einrichtung erst seit Sommer 2018. Vorher nahm er das Angebot der Ganztagsbetreuung der Schule in Anspruch. Nun kommt er nach der Schule zu uns, macht seine Hausaufgaben und verbringt den Nachmittag bei uns.

Jan ist ein freundlicher und aufgeschlossener Junge. Meistens kommt er gut gelaunt in die Einrichtung. Er ist ein eher ruhiges Kind, kann aber in Kombination mit seinen Freunden auch ausgelassen sein. Manchmal zieht er sich jedoch zurück, um Zeit und Ruhe für sich zu haben. Dann hört er im Nebenraum Musik oder nutzt den Boxsack.

Auch Jans Mutter, sowie die älteren Geschwister suchen immer noch den Kontakt zur Einrichtung. Die beiden älteren Schwestern waren während ihrer Schulzeit jahrelang feste Besucher der Kontaktstelle Holler. Auch sie erledigten hier ihre Hausaufgaben und nahmen an Ferienprogrammen und Freizeitangeboten, sowie Fahrten in den Freizeitpark teil. Feste wie das Straßenfest oder den Glühweinstand am letzten Schultag des Jahres, werden von der ganzen Familie besucht.

Noch heute sucht die Familie unsere Einrichtung auf, wenn sie Hilfe beim Ausfüllen verschiedener Dokumente (z.B. Familienkasse, Jobcenter, Agentur für Arbeit, etc.) braucht oder beim Schreiben von Bewerbungen. Oftmals kommen sie auch einfach so vorbei, um über alte Zeiten zu reden und über gemeinsam erlebte Ereignisse zu sprechen.

Aktivitäten 2018 (Auszug unserer Arbeit)

Januar / Februar / März

  • Fußballspiel gegen Spiel- und Lernstube „Rappelkiste“ in KL
  • Hallenfußballturnier
  • Osterferienprogramm: a.) Osterdeko b.) Ostereier färben c.) Karottenkuchen backen d.) Kochen e.) Brunch
  • Kinderfasching
  • Aktion Kinderkrebstag > Spendenübergabe Krebsstation Homburg
  • Projekt Landesfilmdienst „Virtuelle Kinderstadtkarte“

April / Mai / Juni / Juli

  • Filmvorführung „Wildes Herz“ im MGH
  • WM-Woche
  • Straßenfest
  • Sommerferienprogramm: a.) Burg-Rallye b.) Besuch Erdbeerland c.) Erdbeerverarbeitung d.) Besuch Tierhof Mareike Hans in Waldmohr e.) Wanderung Bahndamm f.) Angebot Luisa g.) WM-Nachmittag h.) Bowling in KL i.) Reiterhof k.) Kochangebot l.) Batiken m.) Kalkbergwerk Wolfstein n.) Barfußpark Bad Sobernheim o.) Besuch Geoskop p.) Gesundes Frühstück

August / September / Oktober / November / Dezember

  • Konzert mit Punkband aus Myanmar im Schalander
  • Popcorn im Maisfeld im Haus im Westrich
  • Kultursommer mit Ausstellung und Open Air – Kino im MGH
  • Vortrag Dr. Wilk im MGH
  • Rotznasentheater im Haus der Jugend Kusel
  • Fußballturnier
  • Kinderkonzert Wolfgang Hering
  • Theater „Herbstlaub“ im MGH
  • Dialog in Kusel
  • Vortrag „Homophobie+Sexismus im Fußball“
  • Halloween-Buffet
  • Weiße Rose Ausstellung am Gymnasium Kusel
  • Weihnachtsfeier
  • Filmabend über Seenotrettung
  • Herbstferienprogramm: a.) Nistkästen basteln mit Tierschutzverein b.) Kupferbergwerk Fischbach c.) Kochangebot
  • Glühweinstand in der Berliner Straße
  • Veganes Essen im Bioladen
  • Weihnachtsfeier

5 Jahre Kita!Plus – Erfahrungswerte aus der Zeit 2013 – 2018

Das Konzept Kita!Plus basiert auf der Idee, Familien mit Neugeborenen, Kleinkindern und Kita-Kindern anzusprechen – ihnen beratend, begleitend und unterstützend zur Seite zu stehen. Auf niederschwelligem Niveau existiert hiermit ein Angebot, das dem Bereich der „Frühen Hilfen“ zuzuordnen ist, das auf die freiwillige Zusammenarbeit setzt und das vorgeschaltet ist allen Maßnahmen, die das örtliche Jugendamt im Rahmen der Jugendhilfe anzubieten hat.

Kita!Plus startete mit seinem Programm am 01.12.2013. Zu Beginn war auffallend, dass sehr viele Familien mit Fluchthintergrund das Angebot gerne und dankbar nutzten. Deutsche Familien reagierten eher verhalten bis skeptisch auf die Konzeption Kita!Plus. Heute, mit Erfahrungswerten von 5 Jahren im Blick, hat sich diesbezüglich vieles relativiert: es kommen ebenso deutsche Familien wie Familien mit Migrationshintergrund um von dem Angebot Gebrauch zu machen.

Die Themen, die die Familien dazu bewegen, Kontakt zu suchen, sind über die Jahre hinweg unveränderter Natur geblieben: Erziehungsfragen, Wohnraumprobleme, finanzielle Not, der Wunsch nach Begleitung zu Arzt, Jobcenter, Kita, Gesundheitsamt, Jugendamt, Sozialamt…Hinsichtlich Dauer und Intensität der Zusammenarbeit lässt sich beobachten, dass sich diese von einmaligen Kontakten über sporadische Kontakte, häufige Kontakte bis hin zu dauerhaften Kontakten erstrecken. Neben der Zusammenarbeit mit den Familien profitiert Kita!Plus von dem Eingebunden sein in ein großes Netzwerk ( Kitas, Grundschule, Hebammen, Ehrenamtler/innen, Jugendamt, Gesundheitsamt, Kinderarzt…), verbunden mit der Möglichkeit und dem Anspruch als Bindeglied zu fungieren. Die Albert-Schweitzer-Kita verdient an dieser Stelle besondere Erwähnung. Abschließend sei auf zwei Aspekte verwiesen, die – mit Rückblick auf 5 Jahre Kita!Plus – für die Konzeption signifikant sind:

  • Im Unterschied zu vielen anderen Beratungsstellen ist hier die Möglichkeit geboten, Familien zu begleiten – sei es zum Jobcenter, zum Arzt, zur Schuluntersuchung etc. Mütter und Väter empfinden dieses Angebot in ihrer Situation oftmals als sehr entlastend.
  • Da die Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis beruht, muss der Zugang zu Familien immer wieder aufs Neue erarbeitet werden. Das erweist sich einerseits als große Herausforderung in der täglichen Sozialarbeit, gleichzeitig ist darin die Chance für eine konstruktive und gelingende Zusammenarbeit zu sehen.

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